Sonntag, 15. Januar 2017

Mein(e) Plotter und ich: Cameo 3 und Brother ScanNCut CM900 im Vergleich

Da sich immer wieder Leute die Frage stellen, was denn an diesem oder jenem Gerät besser sei, habe ich jetzt mal eine Auflistung gemacht, was ICH so besser an dem einen oder anderen finde...

Cameo 3

Positives (im Vergleich zur ScanNCut)

  • Man kann die Schneidematten selbst machen, das spart viel Geld. Ich nehme hierzu selbstklebende Lampenfolie von VBS-Versand. 
  • Umfangreiche Software (mit der einige Probleme haben, die wenig Computerkenntnisse haben, da die Software wirklich viele Funktionen hat).
  • Gratisdownload in Höhe von 25 Euro.
  • Im Store gibt es wundervolle Dateien.
  • Ist preiswerter.
  • Hat kleine Ablagefächer für Werkzeug, Stifte, Messer, Spatel usw. (Das fehlt bei der ScanNCut komplett -> doof.)
  • Kann auch länger... (theoretisch)
    Ich habe probiert, mit der Cameo Folie direkt ohne Schneidematte zu schneiden, was überhaupt nicht gut geklappt hat (und man muss Glück haben, wenn die Schneideleiste des Cameos nicht zerschnitten wird, weil wenn man "abbrechen" drückt, schneidet er erstmal seine Linie fertig). Ich wollte am Badfenster statische Folie mit 5 ausgeschnittenen Blümchen aufbringen. 80 cm x 20 cm. Der Längsschnitt hat super geklappt, aber beim ersten Querschnitt hat das Messer die Folie gegen den Uhrzeigersinn verschoben... So ging es mir insgesamt 4 x. Ich wollte dann nur die Blümchen innerhalb meines Rechtecks ausschneiden und dachte, dass ich dann den Rand halt mit der Schere oder dem Cutter schneide - ist ja nicht so schwer. Aber nach 3 Blümchen war Schluss, das Messer hat die Folie wieder verschoben. Fazit: 1 Rolle statisches DC-Fix für die Tonne *jammer* und hochgradig frustriert.  Ich habe mir jetzt einen Rollo für das Fenster bestellt *lach*. Aber falls ich mal wieder was Längeres plotten möchte, klebe ich mir auf jeden Fall 2 oder 3 Schneidematten als Unterlage zusammen. 

Negatives (im Vergleich zur ScanNCut)

  • Scanfunktion gibt es nicht. Prints/Stempel ausschneiden ist aufwändig und fehleranfällig.
    Bei der Cameo gibt es 2 Varianten: Print+Cut, da wird ein Blatt mit Passmarken und Motiven ausgedruckt. Da hat man sehr viel "Materialverschwendung", weil die Passmarken nicht in den Ecken sitzen und man soundsoweit vom Rand weg sein muss. Außerdem schneidet es die Motive nach unten hin immer schlechter (nicht konturgetreu). Ich bin ein Pingel und hätte es dann natürlich auch gerne um die Kontur herum ausgeschnitten und nicht versetzt. Dazu ist er ja da, der teure Plotter. 
    Die Pixscan-Matte habe ich auch, aber noch nicht probiert, weil mir das zu umständlich ist (man muss das Gerät erst kalibrieren usw., das habe ich mit der Cameo 2 schon hinter mir und jetzt eeecht keine Lust mehr drauf ;). Man muss das Motiv scannen oder fotografieren und dann einlesen. Dann kommt es wieder auf die Lichtverhältnisse und Aufnahmewinkel an, ob das so alles klappt, usw.
  • Bluetooth:
    Beim Cameo 3 funktioniert die angepriesene bluetooth-Funktion noch nicht richtig (Windows) und beim Mac nur mit bluetooth 4.0. Zudem kann man das notwendige Firmware-Update nicht über Mac aufspielen, wenn im Mac kein bluetooth 4.0 vorhanden ist (Abhilfe könnte ein bluetooth Stick über USB-Anschluss sein, wurde bei Facebook herausgefunden..., aber einige sagen auch, dass W-Lan und bluetooth sich da in die Quere kommen). So oder so, es funktioniert wohl noch nicht einwandfrei, da Schneidaufträge irgendwann abgebrochen werden.*** edit - ich habe einen Bluetooth-Stick für die Cameo bei Amazon gekauft, der allerdings mit meinem Mac nicht funktioniert hat, trotz mühevoller Installation (beiliegende Mini-Disk kann man im iMac nicht abspielen und es waren noch weitere Einstellungen nötig, da halfen die Beschreibungen der Amazonkunden).***
  • Handbuch fehlt, E-Mail-Support *gääähn*...

Brother ScanNCut CM900

Positives (im Vergleich zur Cameo)

  • Die Scanfunktion ist unbezahlbar (Fotos siehe unten). Man kann einfach Papierreste verwerten und "punktgenau" auf seinen Untergrund plotten. Außerdem genau Stempelmotive oder ausgedruckte Sachen ausschneiden. Einfach einscannen. Fertig. Oder Materialreste auf die Matte pappen, einscannen und die Motive in der Software drüberlegen.
    *** edit***
    Die Scanfunktion geht mit Aquarellpapier (es ist nicht einmal besonders rau) eher schlecht. Gestern saß ich eine halbe Stunde, um meine schwarzen Ausdrucke auszuschneiden. Die Linien sind noch nicht einmal sehr dünn. Meine Grafik hatte aber sehr viele Linien (innen), vermutlich hängt es damit zusammen. Einfache Stempelabdrücke auf Aquarellpapier mit wenig Linien innen gehen besser. Bzw. ich habe den selben Ausdruck dann nochmal auf normalem Papier gedruckt, das hat er anstandslos genommen...
  • Er hat W-Lan. Super. Funktioniert. Immer. Automatisch, ohne manuell verbinden zu müssen.
  • Kommt mit einem tollen Handbuch. Da werden auch so Sachen erklärt wie "Klebe erstmal ein Eckchen Deines Materials auf die Matte um zu testen, ob es auch wieder abgeht"... Ich glaube, die Hälfte aller Cameo-Besitzer hat erstmal eine "ruinierte" Schneidematte + Material, weil das Papier draufklebt und nicht mehr abgeht.
  • Die mitgelieferten Schneidematten sind vom Material her dicker und wertiger. Auch das Gerät sieht hochwertiger und peppiger aus (na ja, bei dem Preis... ;).
  • Die Messerklingen kann man einzeln + billiger kaufen als bei der Cameo. Das spart Geld + Abfall. Aber das fällt meines Erachtens nicht sehr ins Gewicht, da die Messer sich kaum abnutzen. Ich habe eines für Vinyl und ein separates für Papier und die sind noch so scharf wie am ersten Tag. (Beispiel: Deep Cut Blade Cameo 20 Euro, Brother 10 Euro!)
  • Das Gerät arbeitet autark, man braucht theoretisch nicht damit an den Computer. Aber von dort aus geht es besser, machen wir uns nix vor ;). Aber man könnte den Plotter mit auf einen Markt nehmen und Kunden direkt dort "bedienen".
  • Hat mehr Druck und kann mehr Materialien schneiden. Materialien bis zu 1,5 mm Höhe (Cameo nur 0,5 mm)
  • Er ist sehr viel schneller als der Cameo.
  • Er ist kleiner/kompakter. 
  • Kann auch prägen.
  • Hat auch wundervolle Gratis-Dateien im Store.
  • Die Führung für die Matte ist viel besser. Man kann nichts falsch machen, sie wird immer an der selben Stelle vertikal eingezogen. Außerdem ist die Halterung unter der Matte besser (bei der Silhouette ist es etwas gakelig).
  • Umsteiger können ihre Silhouette-Dateien konvertieren und weiternutzen *yey, sonst hätte ich das nicht gemacht*...
  • Er kann *.svg-Dateien lesen. Beim Cameo bräuchte man, falls man dies möchte, die Designer-Edition (so um die 25 Euro bei Etsy USA).
  • Ich habe den Plotter bei Nähpark gekauft. Die haben den wundervollsten Service, den man sich vorstellen kann. Und wenn man mit dem Gerät nicht zufrieden ist, kann man es zurückgeben.

Negatives (im Vergleich zur Cameo)

  • Dass der Plotter *.PES-Dateien einlesen kann ist ... na ja, sagen wir mal, nur die halbe Wahrheit. Die Dateien müssen zunächst vorbereitet sein (extra Software), meine über Jahre gesammelten Dateien gehen also schonmal nicht. Schade. 
  • Die Maximallänge der Schneidematte ist auf 60 oder 65 cm beschränkt.

So, falls mir noch was einfällt (oder Euch), ich ergänze gerne meine Liste.

Hier ein Beispiel: Stempelmotiv mit der ScaNCut ausgeschnitten, 1 mm Rand (einstellbar), Aquarellpapier. Perfekt, oder?


Vorher coloriert und dann ausgeschnitten:
Links problemlos geschnitten (Ausdruck grau auf normalem glattem Papier), rechts Ausdruck auf Aquarellpapier trotz schwarzem Rand nur widerwillig und nach vielmaligem Einscannen geschnitten (Fehlermeldungen es sei nicht alles auf der Matte (war es aber), außerdem hat er Striche nicht erkannt (siehe als Beispiel rechts Haarlocke)... Schade, denn ich mag Aquarellpaier eigentlich viel lieber.
... Scheint nicht sein Tag gewesen zu sein ;). Ein andermal hat alles wunderbar geklappt.
***

Edit

Ich habe den ScanNcut wieder verkauft und die Cameo behalten. Und zwar aus zwei Gründen: 
Das Display ist - obwohl es ja schon das größte ist - wirklich sehr fummelig. Wenn man gescannte Sachen einrahmen möchte, braucht man wirklich manchmal eine Mords-Geduld, weil das Display superschnell reagiert aber es zu klein ist, um alles richtig zu sehen. So muss man ständig die Position korrigieren.
Manchmal stand ich da über 40 Minuten, um eine Seite mit verschiedenen Stempeln einzulesen und zu schneiden. Ob es lichtabhängig war oder nicht  sei jetzt dahingestellt. Aber schon alleine  wenn man das selbe Blatt Papier nach einem Abbruch sofort und genau so wieder eingelesen hat, haben sich andere Ergebnisse am Display gezeigt. Immer.
Der ScanNcut ist ein super Gerät. Hätte er ein größeres Display und hätte er meine Stempel etwas zuverlässiger korrekt eingelesen, hätte ich ihn echt gerne behalten. Aber wenn ich 40 Minuten am Gerät rumfummeln muss, dann kann ich meine 8 Stempel auch gleich mit der Hand ausschneiden (und dabei Hörbuch hören)... Dafür bietet er mir nicht genug Mehrwert.
Und so im Ganzen gesehen... Ich benutze den Plotter hauptsächlich für Papier. Durch die Schnitte und den Papierstaub werden die Matten ziemlich schnell "entklebt". Dadurch, dass man bei der Cameo die Matten durch andere oder selbstgemachte ersetzen kann, spart man hierdurch doch ziemlich viel Geld. Matten, die kaum noch kleben, benutze ich dann für Vinyl (und da klebt es dann noch mehr als gewünscht).

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Vielen Dank für diese aufschlussreiche Zusammenstellung 🖒 jetzt weiss ich, was ich mir zulegen werde.

Anonym hat gesagt…

Vielen Dank für deinen ausführlichen Erfahrungsbericht samt Vergleich!! Dies hier zu lesen, war sehr aufschlussreich für mich!!

Schöne Grüße!
Daniela
la-credo@web.de

Anonym hat gesagt…

Hallo liebes Glasblümchen,
warum kann ich denn die Schneidematte für den Brother nicht selbst machen?
Viele Grüße
Christin

Glasbluemchen hat gesagt…

Hallo Christin, der Brother scannt die Matten ab, bevor er schneidet. Die Matten haben am Rand überall farbige Markierungen (und die Mattengrößen haben auch unterschiedliche Farben). Wenn er "seine gewünschte" Markierung nicht findet, dann kannst Du nicht schneiden.
Bei der Cameo kannst Du prinzipiell alles reinstopfen, was Du willst ;). Ich habe vom VBS-Versand selbstklebende Lampenfolie. Die ist super und eine Matte kostet dann 1,69 Euro. Man muss sie nur am Rand etwas kürzen und das Raster mit einem Permanent Marker abzeichnen (hierfür gibt es aber auch Maldateien, falls Du einen Stifthalter hast und den Marker einspannst).

Anonym hat gesagt…

Hallo,toll Danke für Deinen hilfreichen Vergleich. Frage zu Deiner beschriebenen Umrandung am Gerätebildschirm: kann man die eingescannten Sachen gar nicht in ein Programm übertragen und die Umrandung dort machen? Und noch mal umgekehrt gefragt: geht keine 1zu1 Übertragung von PC Software zum Gerät, nur über Umweg USB Stick? LG rosi

Glasbluemchen hat gesagt…

Hallo, zu Deiner ersten Frage: Kann ich nicht sagen, habe ich nie probiert. Die zweite Frage verstehe ich leider nicht. Wieso über USB-Stick? Mein Brother-Modell hatte W-Lan...