Mittwoch, 2. November 2016

Die (bittere) Wahrheit über Kreidefarbe... Meine Erfahrungen... Ich räume jetzt auf mit den Mythen und Versprechungen

In den letzten 3 Monaten habe ich etliche Möbel mit Kreidefarbe gestrichen (Tisch, 2 riesige Kommoden, Tellerregal, Tassenregal, Hocker), Kreidefarbe selbst angemischt (nachdem ich tolle youtube-Videos mit Empfehlungen gesehen habe) und wollte die meine Realität mal für Euch zusammenfassen:

  • Kreidefarbe kann man ganz einfach kostengünstig selbst herstellen

Kann man vielleicht, aber nicht mit Alpina und Sumpfkalk ;)...
Da ich ja (leider) so ein Mensch bin, der alles selbst ausprobieren muss und zudem ein Fan von Kalk bin (habe ja 8 Jahre lang selbst ein Fachwerkhaus saniert), habe ich groß eingekauft... Einen Eimer Sumpfkalk für 20 Euro, eine Dose Alpina Weißlack (mit Wasser mischbar) für 17 Euro...
Anfangs strich sich das recht gut. Aber man kann die Farbe nicht aufbewahren. Schon am nächsten Tag hatte ich einen großen Klumpen (und natürlich hatte ich brav einiges angemischt, ich wollte ja meine riesige Kommode streichen...). Also einen Klumpen Sondermüll (ist ja Weißlack drin, das gehört nicht in den Hausmüll). Also neu angemischt und weitergestrichen. Das Streichergebnis war nicht "schön". So wie es sich für Kalk gehört, war die Schicht "chanchierend", also die Kommode sah schlicht und einfach fleckig aus, was auf die Lichteinflüsse zurückzuführen war. So wie der Flor eines Teppichs... Jeder Pinselstrich war schattig. Na ja, davon abgesehen, wenn man sie angefasst hat, war man weiß...
Für die 37 Euro hätte ich mir besser direkt Kreidefarbe gekauft, ganz zu schweigen von den Stunden, die ich für das 3 malige Streichen vertrödelt hatte. Und das tägliche neu Anmischen (weiß geht ja noch, aber bunt?).
Es gibt auch Rezepte mit Kreide, aber die habe ich mir dann erspart und habe DIE angepriesene Farbe der Saison gekauft: Annie Sloan.

  • Kreidefarbe braucht man nur 1 x streichen

*hahaha* ja, was für ein Traum, gell? Es ist und bleibt aber ein Traum... Unbehandeltes Möbel musste ich mindestens 3 x streichen (weiß). Und dunkles Holz? ... das wollt ihr nicht wissen... (falls doch, lest weiter)

  • Kreidefarbe kann man ohne Vorstreichen direkt auf das Holz auftragen
Jaaaa geht. Bei unbehandeltem hellem Holz. Aaaber: Unbehandeltes Holz saugt sehr stark. Der Pinsel bleibt sozusagen während des Streichens "bappen". Wen das nicht stört und wen auch nicht stört, dass der Anstrich dann ziemlich "pampig/pinselstrichig/dickfett" aussieht, nur zu. Ansonsten die erste Schicht mit Wasser verdünnen.
Wenn Euer Holz allerdings nicht "Natur" ist (wenn Lack drauf ist oder Beize oder wenn es sich um Buche/Eiche usw. handelt), dann streicht vor. Und zwar mit Isoliergrund. Ich habe die Erfahrung selber gemacht,  dass alles andere durchblutet. Ich glaube ja auch, was hier viele Menschen in Blogs von sich geben und habe bei meinem ersten Projekt nicht mit Isoliergrund vorgestrichen. Das war ein Fehler.
Warum 2 x vorstreichen? Ganz einfach... Bei dunklem Möbel braucht man, um es weiß zu bekommen, mindestens 4 (!) Anstriche (ja, ehrlich, auch wenn oft etwas anderes behauptet wird). Man kann auch 1 x mit Isoliergrund vorstreichen, muss dann 3 x mit der teuren Kreidefarbe drüber. Bei der ersten Kommode habe ich das noch gemacht, aber ruckzuck ist die Kreidefarbe leer *jammer heul, 30 Euro weggepinselt, einfach mal so*. Die 2. Schicht Isoliergrund ist einfach aus Kostengründen die bessere Wahl, zudem werden so auch noch die kleinsten Poren verschlossen, aus denen Farbe ausbluten könnten.

  • Wachsen ist klasse

Wenn ich es nochmal kaufen müsste, würde ich tatsächlich Lack nehmen. Aber ich habe schon in 2 Dosen Wachs (weiß und transparent) investiert. Wachsen ist mühevoll, es geht besser, wenn man einen (teuren) Wachspinsel benutzt, man darf nicht zu viel Wachs auftragen (es klebt und das ändert sich auch nicht nach 6 Wochen, wie versprochen)  und muss später noch polieren (also einen Arbeitsschritt zusätzlich). Außerdem ist die Oberfläche dann nicht wirklich feucht abwischbar. Aber es sieht schön aus ;) *ist doch was!*.
Überlege die ganze Zeit, ob die Konsistenz der von Schuhcreme gleicht... Ist es etwa...?
Übrigens, das "farblose" Möbelwachs aus dem Baumarkt ist gelblich, egal, welche Sorte man nimmt. Das von Annie Sloan beispielsweise ist transparent.

  • Farbige Kreidefarbe

Auch ich wollte mehrere Farben haben, ist ja klar. Jedes kleine Pöttchen kostet einen Haufen Geld. Nachdem ich die Farben hatte, außer das gewünschte Grau, musste ich mein Grau selbst anmischen. Dazu habe ich einfach Acrylfarbe in das Weiß gegeben (ich habe welche von Schmincke, jede andere tut es sicher auch). Funktioniert prima. Also man muss nicht alle Farben kaufen, weiß genügt. Die Farbe hält sich und nach dem Aufrühren ist sie wieder wie vorher.

(Tellerregal, Weichholz, 5 x gestrichen und jetzt passt es vom Stil her nirgendwo hin, obwohl da so schön Stempelkram reinpassen würde *grrr* -> wird verkauft. Kein Isoliergrund verwendet.)
(Tassenregal, Eiche hell, nach dem 4. Mal streichen (davon 1 x Isoliergrund):)
(Tassenregal, eeendlich fertig nach dem 5. Mal streichen:)
(Kommode vorher/nachher, Eiche dunkel -> Türen und Regalböden müssen noch, 4 x gestrichen, davon 2 x mit Isoliergrund:)


(2 x gestrichen mit Isoliergrund, so sehen die Fachböden dann aus:)